Tanit verläßt die Titanic

Die Kapelle spielt wohl bis zum Schluß, wie sich das gehört. Aber frierend und hungrig, so ganz ohne Koch. „Bild“-Chefredakteurin Tanit Koch (Foto) verläßt zum Monatsende das schwer leckgeschlagene Boulevardblatt, welches mit zunehmender Schlagseite zu sinken droht.

Gegründet wurde „Bild“ nach dem Zweiten Weltkrieg vom US-Geheimdienst CIA mittels der damals unvorstellbaren Summe von 7 Millionen US-Dollar. Die Zielsetzung war von Anfang an klar: Die westdeutschen Massen sollten nach amerikanischem Gusto „umerzogen“ werden; vor allem sollte ihnen die Westbindung der Bundesrepublik eingebläut und jeder Gedanke an ein friedvolles Miteinander mit Moskau ausgetrieben werden.

Unter Axel Springer funktionierte das anfangs ganz gut, bis die Studentenrevolten der 1960er Jahre seinem Image erste Kratzer zufügten. Doch gelang es ihm im darauffolgenden Jahrzehnt während des RAF-Terrors geschickt, seine Zeitung in einer Art Opferrolle (was nach dem Bombenanschlag auf das Hamburger Springer-Hochhaus 1972 mit vielen Verletzten recht einfach geworden war) als Lautsprecher des kleinen Mannes gegen die mordenden Radikalinskis darzustellen. Die Auflage stieg nochmal etwas an.

1980 war ein einschneidendes Jahr für den Verleger, das von dem rätselhaften Tod seines Sohnes Axel Springer Jr. geprägt war. Als 1982 mit tatkräftiger Unterstützung der „Bild“-Zeitung endlich die verhaßte sozial-liberale Koalition zu Fall gebracht worden war und 1983 die Bonner Wende unter Kanzler Kohl endgültig gelang, gab der Verlagschef nicht nur nach und nach Kompetenzen an seine Stellvertreter ab, sondern dem Blatt auch einen neuen, etwas weniger politischen Zuschnitt. Unbekleidete Mädchen auf der Titelseite, Bingo, Promiklatsch und vor allem viel Fußball sollten die Aufmerksamkeit der Massen weg von Kohls Politik lenken.

Springer selbst zog sich mehr und mehr nach Sylt zurück, wo der steinreiche Medienmogul ganze Ländereien besaß. 1985 starb er in West-Berlin.

Mit seinem Tod begann der langsame Niedergang des Flaggschiffes, der nur in den Jahren nach dem Fall der Berliner Mauer etwas zugekleistert werden konnte, weil es im Osten tatsächlich Leute gab, die es eine Zeitlang schick fanden, das Kampfblatt des ehemaligen Klassenfeindes zu lesen.

Als im neuen Jahrtausend schließlich das Internet und damit mehr und mehr alternative Informationsmöglichkeiten die Haushalte der Deutschen erobert hatten, nahm die Talfahrt der „Bild“ rasant an Tempo zu. Eine neue Generation wuchs in unserem Land heran, für die die Zeitung mit den vier großen Buchstaben nur noch eine Randerscheinung war. Als Multimedia durch das Smartphone dann auch noch mobil geworden war, läuteten auf der Springer-Brücke im Angesicht des immer größer werdenden Eisbergs schrill die Alarmglocken.

Panik brach aus, und es kam in der zweiten Dekade des Jahrhunderts zu immer heftigeren Verwerfungen. Abgehalfterte Promis wie Bohlen und Lindenberg sollten die Feuerwehr spielen. Chefredakteur Kai Diekmann leistete sich eine monatelange Schlammschlacht mit dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff und berauschte sich schließlich am „Triumph“ von dessen Rücktritt. Die unbekleideten Covergirls verschwanden aus Angst vor Feministinnen und radikalen Moslems. Aus Eisbär (Knut, in seinen ersten beiden Lebensjahren einer der letzten Quotengaranten der Zeitung) wurde nach dessen tragischem Tod 2011 wirklich Eisberg. Die USA und Israel, zwei Heilige Kühe bei Springer, wurden bereits vor Trump kritisiert, der Islam als integrierbar dargestellt, was sich im stattlichen Salafistenbart von Kai Diekmann 2015, im Jahr von Merkels unverzeihlicher Grenzöffnung, manifestierte. Nicolaus Fest wollte das nicht mehr mittragen und verließ das sinkende Narrenschiff.

Tanit Koch wurde 2016 Chefredakteurin der Printausgabe, Julian Reichelt löste Kai Diekmann ab. Man muß eben wissen, wann der Bart ab ist. Der Niveau-Limbo ging jedoch unvermindert weiter. Die noch von Diekmann eingeleitete Anti-Rußland-Hetze wurde von Reichelt fortgeführt, und noch ein anderer „Bild“-Julian fiel damit äußerst unangenehm auf: Julian Röpcke nämlich, der sich erst vor wenigen Tagen öffentlichkeitswirksam über den Tod des abgeschossenen russischen Piloten in Syrien freute. Dieser hatte sich mit dem Katapult (Schleudersitz) zunächst gerettet, wurde später jedoch am Boden ermordet. Röpckes Reaktion war somit der Gipfel der Unmenschlichkeit.

Nun, im Jahr 2018, ist jede Kurskorrektur überflüssig geworden. Die Menschen wollen den Schmutz der Springerpresse nicht mehr lesen, das ist seit Jahren klar. Die Verantwortlichen stellten sich taub und blind. Nun heißt es „In die Rettungsboote!“. Aber es sind zu wenige an Bord, ganz wie 1912 im Nordatlantik.

8 Kommentare

  1. Hahaha, danke für diesen schreiend komischen Artikel! 😀 😀 😀 Ihr trefft mal wieder den Nagel auf den Kopf!
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  2. Die „Bild“-Zeitung? Wer versteigt sich denn zu der Behauptung dieses Pamphlet sei eine Zeitung?
    Dieses Machwerk dient zu politischer Agitation, nicht mehr u. nicht weniger. Aber nur, die, die diesen „Völkischen“ Beobachter ernst nehmen muss man fürchten in ihrer urbanen Dummheit.

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