„Merkel verstärkt den Druck auf die Türkei!“ So schallte es gestern aus allen Lautsprechern. Auf diese Weise versucht die Kanzlerin, kurz vor der Wahl ihren schwindenden konservativen Flügel bei der Stange zu halten.

Die SPD versucht in dieser Sache, etwas zu beschwichtigen, um bei ohnehin schon miesen Umfragewerten ihre türkisch-islamischen Stammwähler nicht ganz zu vergraulen. Schließlich hatte Erdogan Allmächtig davon abgeraten, in der jetzigen Situation CDU, SPD oder Grüne zu wählen. Und vor allem bei Rot und Grün würde es empfindliche Breschen schlagen, sollten viele Türken mit deutschem Paß diesem Ansinnen Folge leisten.

Im Juli sah das noch etwas anders aus bei den Spezialdemokraten. Außenminister Sigmar Gabriel unterbrach extra für einen Tag seinen Urlaub, um sich mit einem offenen Brief an die „Deutsch-Türken“ zu wenden:

Liebe türkische Mitbürger,

Ich möchte mich – auch im Namen der gesamten Bundesregierung – in dieser Form an Sie wenden. Vor allem Sie spüren die großen Schwierigkeiten, denen unser Verhältnis zur Türkei derzeit ausgesetzt ist. Ihre Heimat liegt in Deutschland – aber bei vielen von Ihnen auch in der Türkei.

Wir wollen Ihnen deshalb sagen: Die Freundschaft zwischen Deutschen und Türken ist ein großer Schatz. Wir haben uns für gute Beziehungen zur Türkei immer auch eingesetzt, weil wir wissen, dass ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei für Sie wichtig ist.

Jetzt aber werden unbescholtene deutsche Staatsbürger ins Gefängnis gesteckt. Als deutsche Bundesregierung können wir nicht tatenlos zusehen. Wir müssen unsere Staatsbürger schützen.

Deshalb ändert sich die Politik der Bundesregierung gegenüber der türkischen Politik. Wir werden die Zusammenarbeit und vor allem die wirtschaftlichen Hilfen für die Türkei auf den Prüfstand stellen und auch in Europa für eine klare Haltung eintreten.

Was Sie aber wissen sollen, ist: Nichts davon richtet sich gegen die Menschen in der Türkei und unsere Mitbürger mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Denn: Gleichgültig wie schwierig die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind, bleibt für uns klar: Sie, die türkischstämmigen Menschen in Deutschland, gehören zu uns – ob mit oder ohne deutschen Pass.

Der Brief ist unterzeichnet mit „Herzlich, Ihr Sigmar Gabriel“.

Quelle: n-tv.de , cro

Nur einen Tag später antwortete Gökay Sofuoglu, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, in der „Welt am Sonntag“ auf Gabriel:

Die Türkische Gemeinde in Deutschland begrüßt die versöhnenden Worte des Außenministers Sigmar Gabriel.

In der jetzigen Situation ist es richtig, Dialogbereitschaft zu zeigen. Es ist ein positives Signal an die türkische Community.

Die Anerkennung und politische Repräsentation von türkeistämmigen Menschen wurde viel zu lang vernachlässigt und ist längst überfällig. Wir würden uns wünschen, dass wir in dieser Krise näher zusammenrücken. Der Außenminister hat einen Anfang gemacht.

Wir dürfen uns hier in Deutschland nicht auseinandertreiben lassen. Der Fokus der türkeistämmigen Menschen muss sich auf Deutschland richten. Unsere Forderungen für bessere Bildungschancen, gerechtere Löhne und die Abschaffung von institutionellem Rassismus können nur hier erstritten werden.

Sofuoglus Worte klingen erstmal recht vernünftig, wobei er uns nicht verrät, wie denn die Anerkennung von türkeistämmigen Menschen noch gesteigert werden soll. Das Thema Islam meidet er genauso wie Gabriel und der in der ganzen Affäre erschreckend blaß gebliebene SPD-Kanzlerkandidat Schulz.

Ende Juli folgten dann noch Haßtiraden der türkisch geprägten Kleinparteien BIG und Allianz Deutscher Demokraten, die längst nicht mehr so konstruktiv waren und unter dem Begriff „Kultur“ schon den Anspruch auf islamische Vorherrschaft durchscheinen ließen.

Ganz klar, Sigmar Gabriels medienwirksamer Vorstoß war nur Wahlkampfgeplänkel. Sollte die GroKo im Herbst in eine neue Runde gehen, wird er, der seit seiner Ehe mit einer „Deutsch-Türkin“ unter Verdacht steht, selbst zum Islam übergetreten zu sein, wieder Lobbyarbeit für eine weitere Islamisierung Deutschlands betreiben.

 

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