Parteitag: Von Torten und Geistern – der Islam und „Die Linke“ auf der Suche nach sich selbst

Zum Schluß kam Sahra. Ihre Rede war zwar nicht der ganz große Wurf (Merkels Union und die durch irgendwelche Hohlbirnen reanimierte FDP wurden mit Samthandschuhen angefaßt), aber wie immer nannte sie einige Wahrheiten, die in dieser Deutlichkeit in den Massenmedien kaum vorkommen.

Das Thema „soziale Gerechtigkeit“ stand bei Wagenknecht ganz oben, leider definierte sie es, wie bei Nichtvertretern der Arbeiterklasse so üblich, ganz Verdi-like nur über den Verdienst und nicht über die Arbeitsbedingungen.

Stark war die Sequenz, als sie den ohnehin schon arg ramponierten SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz vollends entlarvte. Er verkaufe den deutschen Werktätigen weniger Rückschritt schon als erstrebenswerten Fortschritt. Ja, so kann man es ausdrücken. Psychologisch sehr gut herausgearbeitet hat Sahra Wagenknecht auch den eigentlichen Charakter des „Schulz-Effektes“. Er war anfangs eine reine Luftnummer, an die sich aber, aufgestachelt durch den Medienzirkus, ein paar Wochen lang tatsächlich viele verzweifelte Menschen klammerten, die von Merkel seit Jahren nur noch frustriert werden.

Ein besonderes Bonbon hatte sich die eloquente Dame für Thomas Oppermann, den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, aufgehoben. Ihn wolle sie „leiden lassen wie einen Hund“! Wenn man bedenkt, wie tief Oppermann in der Edathy-Kinderschänderaffäre steckt, müßte ihn das schon beunruhigen. Weiß Sahra in dieser Sache etwa mehr als wir?

Einer Rot-Rot-Grünen Bundesregierung erteilte Wagenknecht „durch die Blume“ schon eine Absage, wohl auch, weil sie rechnen kann und erkennt, daß es dafür im September nicht reichen wird. „Durch die Blume“ deshalb, weil sie nichts kategorisch ausschloß, falls die beiden anderen Parteien sich den politischen Forderungen von Die Linke beugen würden. Das ist aber bei einer stärkeren Kraft wie der SPD und bei den transatlantischen Bündnisgrünen absolut illusorisch.

Ein bißchen AfD-Bashing gab’s auch, das war nötig, um die innerparteilichen Kritiker zu beschwichtigen, denen Wagenknechts realistische Position in der „Flüchtlings“-Frage zu nah an Petry & Co war.

Lediglich um das Thema Islam drückte sich die Vorzeige-Linke feige herum. Da kam von der Stalinistin nichts Innovativeres als vor einem Jahr von der Ex-Trotzkistin und hessischen Fraktionschefin Janine Wissler, die ein Burkaverbot als „Geisterdebatte“ bezeichnete.

Der hysterische Applaus der Genossen nach ihrer Rede kann als Zeichen der Erleichterung gewertet werden. Sahra Wagenknecht verstand es, genügend Brücken zu bauen, über die auch der betonköpfigste Mauermörder noch hinübergehen kann.

Immerhin blieb ihr diesmal in Hannover die Schmach einer Sahnetorte im Gesicht erspart, nicht so, wie auf dem Bundesparteitag 2016 in Magdeburg.

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5 Kommentare

  1. Egal ob Stalinistin wie Wagenknecht oder Trotzkistin wie Wissler – am Umgang mit dem Islam sollten sich die Geister eigentlich nicht scheiden.

    Man kann nicht sagen Trotzki = pro Islam bzw. Stalin = Anti-Islam! Der historische Kontext ist zu beachten. Beide, Stalin und Trotzki, haben während der Revolution und im nachfolgenden Bürgerkrieg aus taktischen Gründen moslemische Kräfte unterstützt, das ist so. Aber doch nur, um ein Gegengewicht zur prozaristischen Russisch-Orthodoxen Kirche zu schaffen, die teils sehr reaktionär agierte, und so eine Konterrevolution zu verhindern.

    Eins ist klar, hätte Trotzki den folgenden Machtkampf gegen Stalin gewonnen, wäre auch er nicht umhin gekommen, den Islam in der Sowjetunion in die Schranken zu weisen, um nicht das Gesamtprojekt zu gefährden.

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  2. Oppermann kann froh sein, wenn er im Herbst einfach nur in der Versenkung verschwindet. Aber ich glaube nicht. Dann kommt Pädathy auf den Tisch!

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