Nach den drei saftigen Wähler-Ohrfeigen für die SPD bei den diesjährigen Landtagswahlen pfeifen es schon die Spatzen von den Dächern:

Martin Schulz wird Angela Merkel die Kanzlerschaft nicht entreißen können.

Viele machen sich jetzt einen Spaß mit dem Begriff und behaupten, daß der Schulz-Zug „entgleist“ sei. Nun gut. Entgleist sind sicher die Gesichtszüge von Schulz, Stegner, Albig und Hannelore Kraft, alle SPD. Nicht aber der Schulz-Zug selber!

Er fährt noch, er rast und nimmt sogar noch zusätzliche Geschwindigkeit auf.

Im Führerstand der Lokomotive befindet sich aber schon längst nicht mehr Martin Schulz…

Es ist die ewig untote FDP, die das Schienenfahrzeug übernommen hat und es jetzt als Vehikel mißbraucht, um mit Karacho in den Bundestag zurückzukehren, möglichst gleich in eine schwarz-gelbe Regierungskoalition, Nordrhein-Westfalen ist da Warnung genug.

Was vor wenigen Monaten noch so beruhigend unmöglich schien, nimmt plötzlich eine erschreckend realistische Fratze an.

Wie schon bei ihrem Höhenflug vor einem knappen Jahrzehnt gehen der radikalmarktwirtschaftlichen „liberalen“ Partei massenweise nicht nur die jahrelang verprellten Stammwähler, sondern sogar wieder die offenbar vergeßlichen Menschen aus der unteren Mittelschicht auf den Leim, also auch Angestellte und Arbeiter, darunter viele Jungwähler.

Erinnern wir uns:

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 verstand es die FDP viel besser als zum Beispiel die Sozialdemokraten, sich zum „Anwalt des kleinen Mannes“ aufzuschwingen, der dem Volk aufs Maul schaut und für gesunden Menschenverstand steht. Gerade ein zwei Jahre vorher gab es große Aufregung, als das neue Nichtraucherschutzgesetz in Kraft trat. Heute längst vergessene Demonstrationen dagegen waren die Folge. Machen wir uns nichts vor, Rauchen ist ungesund. Und daß man nicht mehr riecht, als „käme man aus der Kneipe“, bloß weil man irgendwo einen Happen essen war, ist doch sehr angenehm.

Aber es gab sie tatsächlich, die soziologischen Argumente für Ausnahmeregelungen. Wenn auf dem Lande die letzte Dorfkneipe aufgrund der teils unverhältnismäßigen staatlichen Restriktionen schließen muß, obwohl von 20 Stammgästen, die den Wirt über Wasser hielten, 18 Raucher waren und die restlichen 2 sich daran nicht störten, faßt man sich schon an den Kopf, zumal es in solchen Orten dann häufig gar keine Treffpunkte bzw. Versorger mehr gibt, nicht mal einen Kiosk oder eine Bäckerei. „Die FDP, die Partei des blauen Dunstes und der gelben Tapeten“, scherzten Manche in Anspielung auf ihre traditionellen Farben.

Im Schatten der damaligen Großen Koalition „Kabinett Merkel I“ gelang es den „Liberalen“ darüberhinaus, bei sozialdemokratischen Kernthemen wie Gesundheits- und Sozialpolitik zu punkten, was ihnen 2009 bei der Bundestagswahl ein respektables Ergebnis mit anschließender Regierungsbeteiligung einbrachte, während die SPD mit dem jetzigen Bundespräsidenten Steinmeier ihr legendär schwaches Resultat von „historischen“ 23 Prozent einfuhr.

Zwar brach die FDP gleich darauf so rabiat und plump ihre Wahlversprechen, die sie gegenüber den kleinen Leuten getätigt hatte (knallharte Lobby- und Klientelpolitik wie die steuerlichen Vergünstigungen für die achso „notleidenden“ Hoteliers), daß der Absturz in der Wählergunst dramatisch war.

Aber nun, 2017, scheint sich das Schauspiel zu wiederholen. Möglicherweise mit noch böseren Folgen für die SPD. Der deutsche Wahlmichel ist eben gutgläubig und naiv und hat ein schlechtes Gedächtnis.

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