Etliche Wochen läuft es nun schon erfolgreich in den Kinos, das Biopic „Der junge Karl Marx“ von Raoul Peck.

Aufruhr jetzt in Österreich:

Nach einer SPÖ-Empfehlung, diesen Film während der Unterrichtszeit mit Schulklassen zu besuchen, geht FPÖ-Bildungssprecher Mölzer dagegen auf die Barrikaden.

„Der Standard“ schreibt:

FPÖ kritisiert Empfehlung für Schulbesuch von Marx-Film

7. April 2017, 15:25

Der Historienfilm sei nicht die richtige Weise, um bei Schülern Interesse für Politik zu wecken, sagt Bildungssprecher Mölzer

Wien – Die FPÖ stößt sich an einer Filmempfehlung des Bildungsministeriums. In einem Schreiben an die Landes- und Stadtschulräte schlägt das Ministerium den Besuch von „Der junge Karl Marx“ vor – ein Historienfilm über das Leben des Theoretikers des Kommunismus zwischen 1843 und 1848. Das politische Interesse der Schüler mithilfe einer „geschönten Hommage an Karl Marx“ zu wecken sei „kaum die richtige Weise, um ihnen objektiv die Wurzeln einer politischen Idee zu vermitteln“, schreibt FPÖ-Bildungssprecher Wendelin Mölzer in einer Aussendung am Freitag. Das Ministerium empfiehlt den Film ab der siebten Schulstufe. „Der Kommunismus prägte als politische und auch philosophische Idee das 19. und 20. Jahrhundert entscheidend mit. Wer waren die Menschen, die diese Bewegung begründeten? Der Film geht dieser Frage nach“, heißt es in dem Schreiben.

Anfrage an Hammerschmid

Mölzer stellt jetzt eine parlamentarische Anfrage an Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ), in der er wissen will, warum der Film empfohlen wird und welche Kinobesuche das Ministerium in den Jahren von 2010 bis 2016 den Schulen sonst nahegelegt hat. „Das ist noch keine Kritik, aber wir wollen wissen, welche Filme empfohlen werden und warum“, sagte Mölzer zum STANDARD.

Aus dem Ministerium heißt es auf Anfrage, dass der Film von der Jugendmedienkommission des Bildungsministeriums eine Positivkennzeichnung bekommen habe. „Dies nahmen wir zum Anlass, die Schulen auf den Film aufmerksam zu machen. Der Film ist ein Angebot für die Schulen und keine Verpflichtung. Thematische Anknüpfungspunkte finden sich für Geschichte, politische Bildung, Philosophie oder ähnliches.“(…)

http://derstandard.at/2000055561186/FPOe-kritisiert-Empfehlung-fuer-Schulbesuch-von-Marx-Film

Etwas mehr Gelassenheit bitte, Herr Mölzer!

Marx und Engels gehören nunmal zur Geschichte Deutschlands und Europas, ob man das nun mag oder nicht. Haben Sie den Streifen überhaupt gesehen? Keine Sorge, so verherrlicht, wie Sie befürchten, wird der Titelheld darin nicht. Peck zeigt vielmehr, welch ein unerbittlicher, scharfer und zuweilen auch arg ungerechter Kritiker, vor allem seiner deutschen Mitstreiter der unterschiedlichen Strömungen wie Wilhelm Weitling und Hermann Kriege, dieser junge Karl Marx war. Schon in Köln bei der Rheinischen Zeitung hatte er sich mit einem verbalen Rundumschlag verabschiedet, der so sicher nicht gerechtfertigt war. Und auch Friedrich Engels bekam anfangs von ihm die Leviten gelesen.

Schon ziemlich früh im Film sagt Marx‘ Frau Jenny offen zu ihrem Gatten: „Weißt du, was dein größter Fehler ist? Du bist ungerecht.“

Also zum Gott erhoben wird in Pecks Werk niemand.

Engels verabschiedete sich trotz seiner Heirat mit Arbeiterin Mary nie wirklich von der Bourgeoisie. Marx unterstützte er lange nicht nur mit besseren Zigarren, sondern auch mit äußerst bourgeoisen finanziellen Zuwendungen. In gesetzterem Alter konnte sich Engels sogar in eingeschränktem Rahmen für nationalistische Bestrebungen begeistern:

Im Vorwort zu einer italienischen Ausgabe des berühmten Manifestes der Kommunistischen Partei lobte er die Vereinigung Italiens durch Guiseppe Garibaldi über den grünen Klee; im Vorwort zu einer polnischen Ausgabe setzte er sogar die politische Unabhängigkeit Polens, die im 19. Jahrhundert nicht gegeben war, als unabdingbar für eine folgende proletarische Revolution voraus.

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