Das war’s!

CR7 konnte am Ende humpelnd jubeln, obwohl ihm die Franzosen gleich in der ersten Halbzeit so übel in die Knochen traten, daß er auch getaped nicht mehr weiterspielen konnte. In der Verlängerung lief er aber dem eigentlichen Coach seines Teams den Rang ab, stieß diesen buchstäblich fast aus dem Anzug. 2004 als 19jähriger Wunderknabe im EM-Finale von Lissabon mit den gastgebenden Portugiesen von Rehagels Griechen noch gedemütigt, gelang Ronaldo mit seiner Mannschaft jetzt der Coup: Gegen das gastgebende Frankreich.

Und die Franzmänner? Sie gingen favorisiert in dieses Endspiel, mit dem Heimvorteil und nach dem frühen Ausfall von Portugals Leitwolf gleich gar. Daß die französischen Zuschauer ausgerechnet in dem Moment siegessicher die Marseillaise sangen, als CR7 endgültig auf der Trage vom Platz transportiert wurde, gehört zu den Taktlosigkeiten, über die man besser den Mantel des Schweigens legt. Chancen gab’s hüben wie drüben, aber da den Iberern kein Handspiel im Strafraum und auch sonst kein dummer Fehler unterlief (Sorry, Merkel-Elf, dieser Seitenhieb mußte jetzt sein), gelang der hochgelobten französischen Offensive kein Tor. Dennoch, die Gastgeber galten als das Team der späten Tore, und beinahe hätte sich in der Nachspielzeit der regulären 90 Minuten alles noch in blauweißroten Jubel aufgelöst, als Gignac aber nur den Pfosten traf.

So erreichte Portugal tatsächlich die Verlängerung, was ohne Ronaldo kaum jemand für möglich gehalten hätte. Dann schnappte sich Eder, der ironischerweise beim OSC Lille in Frankreich spielt, das Leder, und hämmerte es aus 25 Metern unhaltbar für Lloris in die Maschen. Was für eine Freude auch beim verletzten Ronaldo an der Außenlinie!

Der Rest ist schnell erzählt: Der die ganzen vier Wochen etwas geklont und künstlich wirkende französische Jubel, der die Probleme im Land überdecken sollte, brach abrupt in sich zusammen, schon fünf Minuten vor dem Abpfiff verließen die ersten Fans mit durch die Tränen entstandenen blauweißroten Aquarellen im Gesicht das Stadion. Draußen in Paris gab es bereits Krawalle und brennende Autos an der Fanmeile. Kurz und gut, „Les Bleus“ gelang es nicht mehr, sich von dem Schock zu erholen und das Spiel am Ende nochmal an sich zu reißen.

Schlußpfiff! Unermeßliches Siegesgeheul bei den Roten mit den grünen Stutzen!

Frankreich dagegen im Stade de France im Tal der Tränen. Einen Spieler der Blauen vor das Mikro zu bekommen, glich einem Himmelfahrtskommando. Schließlich gab Trainer Didier Deschamps ein kurzes Statement ab, aus welchem die gesamte Enttäuschung sprach. Das Abholen der Silbermedaillen war ein regelrechtes Spießrutenlaufen, kaum ein Spieler ließ sich das Ding ordnungsgemäß um den Hals hängen, während der umstrittene Präsident Hollande bedröppelt danebenstand, die meisten, auch Stürmerstar Antoine Griezmann (Ihr wißt schon, das ist jenes Jüngelchen, das nach seinen Treffern gegen Deutschland so eine Art beidhändiges Lufttelefonieren aufführte), warfen die Plakette rasch achtlos in die Ecke.

Als Ronaldo den Pokal in den Nachthimmel von Saint Denis streckte, sah nur noch eine kleine Spielerabordnung der Equipe de France, sozusagen „die letzten Aufrechten“, dabei zu.

Währenddessen schlich Griezmann etwas entfernt und ganz allein über den Platz. Interviewfreudig sah er nicht aus, zum beidhändigen Telefonieren hätte er jetzt Zeit und Gelegenheit gehabt, so ohne Pokal. Anscheinend wollte den Griesgram aber gerade niemand sprechen.

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